Ausgabe 01/2021

Büro zu Hause

Home-Office, dieser Begriff ist spätestens seit diesem Jahr jedem bekannt. Wer’s im Internet nochmal genau nachlesen möchte, findet auf der deutschen Wikipedia-Seite unter Telearbeit alle wichtigen Infos. Kurzer Exkurs zur Wortgenese: Home-Office ist ein sogenannter Scheinanglizismus, so wie Oldtimer, Handy und Beamer – das sind englische Wörter, die es unter der deutschen Bedeutung im Englischen gar nicht gibt.

Aber zurück zur Telearbeit. Es gibt zahlreiche Ansichten zum Thema Home-Office, die weit auseinander gehen. Auch die Bundesregierung beschäftigte sich mit dem Thema. Gerade wurde die Home-Office-Pauschale durchgewunken; Steuererleichterungen für den ergonomischen Bürostuhl, Schreibtisch, Sitzball, die Tageslichtlampe, Drucker & Co. Blöd nur, dass dadurch natürlich die Pendlerpauschale leidet. Aber vielleicht kriegt man das irgendwie gedeichselt, denn ich brauche im Home-Office auch nen anständigen Espresso, der Schreibtisch muss höhenverstellbar sein und die Decke Schallgedämpft, ist ja klar. Da komm ich schon irgendwie über die 1000 Euro Pauschbetrag.

In der Arbeitswelt gibt es vier verschiedene Positionen: Zum einen der Arbeitgeber, der es hasst, weil er seine Mitarbeiter nicht mehr um sich hat (aus Kontrollgründen oder weil er sie nicht mehr volllabern kann und weder die Post hochholt noch seine Pakete annimmt). Zum anderen der Arbeitgeber, der das vollkommen unterstützt und sowieso schon lange Home-Office angeboten hat und solche Sachen sagt wie „Wir als Chefs müssen jetzt umdenken und mit der Zeit gehen … sonst müssen wir mit der Zeit gehen, verstehen Sie?“. Auch bei den Arbeitnehmern teilen sich die Geister, die einen wollen es, die anderen finden es „total blöd“ und schlagen sich entweder auf die Seite des Home-Office-hassenden Chefs oder tuscheln hinter vorgehaltener Hand über die MitarbeiterInnen, die wahrscheinlich zu Hause die Beine hochlegen. Witzig ist nur, dass die genannten Gründe fast immer gelogen sind. Bei denjenigen, die „einfach besser im Büro arbeiten können“, liegt es daran, dass zu Hause die Familie nervt oder da einfach keiner ist. Diejenigen, die lieber nur ins Home-Office möchten, mögen entweder den Job, die Kollegen oder die Chefetage nicht. Na gut, sicherlich gibt es auch noch ein paar dazwischen, die einfach vernünftig sind und ihre Kontakte reduzieren wollen. Wahrscheinlich ist es bei allen eine Mischung. Denn sind wir mal ehrlich, mal ist es schön im Büro, mal nicht, mal ist es schön zu Hause und mal auch einfach nicht. Persönliche Kontakte sind wichtig. Aber vieles kann man auch sehr gut online und übers Telefon lösen. Es ist ganz einfach eine Sache der Organisation. Ich kann die absoluten und extremen Meinungen zum Home-Office einfach nicht verstehen.

Eines steht fest, ob zu Hause oder im Büro – wer eine schlechte Arbeitsmoral hat – der wird an beiden Orten unproduktiv sein. Schade ist nur, dass viele einfach nicht mal ehrlich zu sich selbst sind. Aber heben wir die Stimmung am Ende doch nochmal ein bisschen. Die größere Bereitschaft der Arbeitgeber zum Home-Office ist eine absolute Errungenschaft dieses Jahres. Es wird mehr Flexibilität geben, mehr Digitalisierung, viele haben unglaublich viel gelernt und die Umwelt wurde auch noch geschont. Wenn das nicht dadurch negativ ausgeglichen wurde, dass alle nur noch mit dem Auto unterwegs waren.

Jetzt aber ab ins Home ohne Office!