Ausgabe 03/2021

Weihnachten 2021 – oder: „Die Genueser Tanne“

Ich liebe meine „Genueser Tanne“. Jahr für Jahr steht sie bereits am ersten Advent in meinem Wohnzimmer.  Geschmückt, beleuchtet – und das Beste daran ist: sie nadelt nicht. Fast keiner meiner Freunde hat übrigens bis heute bemerkt, dass dieser tannengrüne Weihnachtstraum gar nicht echt ist. Sondern eben „nur“ ein künstlicher. So gut ist sie gemacht, meine Tanne - bis hin zu den in Perfektion gearbeiteten Plastik-Tannenzapfen.

Ihren schönen Namen hat mein praktischer Hingucker mit den wohlgeformten Ästen übrigens, weil eine Freundin, die lange im italienischen Genua lebte (dort ist es sehr aufwendig, „richtige“ Weihnachtsbäume nach dem Fest zu entsorgen), bei Ihrer Rückkehr nach Deutschland dann zwei Plastik-Bäume hatte. Und so zog das gute Stück bei mir ein.

Nach Jahren uneingeschränkter Freude aneinander, hat aber nun auch meine Tanne und mich die Nachhaltigkeits-Debatte bei Familie und Freunden eingeholt. Die bedrückende Frage lautet: Darf man das überhaupt noch? Sich einen Plastik-Weihnachtsbaum in die gute Stube stellen? Um es gleich vorweg zu nehmen. Man darf. Aber sowas von.

Denn: Jedes Jahr werden in Deutschland rund 30 Millionen natürliche Weihnachtsbäume verkauft. Wenn man darüber nachdenkt, ist es ökologisch eigentlich total hirnverbrannt, eine derartige Anzahl von Weihnachtsbäumen heran zu ziehen, zu fällen und gerade mal für zwei Wochen in die Wohnung zu stellen. Von der Tatsache, dass die Bäume teilweise tausende Kilometer durch die Gegend gefahren werden und dann wieder durch die örtliche Müllabfuhr abgefahren werden müssen mal ganz abgesehen. Wenn man nun bedenkt, dass die Tannen zwischen sechs und zwölf Jahren wachsen müssen, so pflegen wir eine absolut nicht nachhaltige Tradition.

Da kann ein künstlicher Weihnachtsbaum durchaus eine Alternative sein. Wie meine „Genueser Tanne“, lassen sich gute künstliche Bäume heute kaum noch von echten Bäumen unterscheiden. Er wird nur einmal transportiert, am Ende der Weihnachtszeit einfach zusammengeklappt und bis zum nächsten Jahr in einer Ecke im Keller oder auf dem Dachboden gelagert. Je nach Studie dauert es allerdings zwischen sechs und 20 Jahren, bis der künstliche Baum die bessere Ökobilanz aufweist.

Für mich bedeutet das: Auch wenn meine „Genueser Tanne“ niemals das Ambiente und den Duft nach Harz und der verschiedenen Hölzer ihrer natürlichen Vorbilder ausstrahlen wird, so ist sie der Umwelt zuliebe tatsächlich eine Alternative. Und deshalb werde ich ihr noch sehr, sehr lange treu bleiben. Bis dass der Recyclinghof uns scheidet.

Frohe Weihnachten!