Ausgabe 02/2020

Das Büro der Zukunft gibt es nicht

Wie sieht das Büro der Zukunft aus? Das ist eine Frage, die so wohl niemand beantworten kann. Neben den Unwägbarkeiten darüber, wie schnell die Digitalisierung – auch mit Corona-Beschleuniger – die Bürolandschaft verändert und wie kleine Unternehmen und der Mittelstand mitziehen, bleibt die wichtige Erkenntnis, dass es das eine Büro nicht gibt.

Je nach Branche, Unternehmensgröße und auch Standort, kommen unterschiedliche Herausforderungen und Bedürfnisse auf die Lenker zu. Was überall klar sein muss: Beim Thema Büro-Gestaltung muss das Thema New Work mitgedacht werden. Denn höhenverstellbare Schreibtische und ein Kaffee-Vollautomat machen kein zukunftsfähiges Büro. Das faszinierende ist, um das letztendliche Ziel zu erreichen, nämlich das Schaffen eines für jeden Mitarbeiter leistungsfördernden Arbeitsplatzes, kann ein guter Kaffee und ein ergonomischer Schreibtisch als Büroausstattung genügen – wenn denn der Rest stimmt.

Der Rest ist New Work. Und das ist eines dieser Buzzwords, die seit Jahren umherschwirren und immer schwammiger zu werden scheinen. Als Sinnbild für die kontinuierliche Abstrahierung steht der Kicker. Ein Freizeitsportgerät für die Pausen, der laut klackernd jedem in Hörweite zuruft: „Wir sind modern!“ Das mag genau dann der Fall sein, wenn der Kicker das Paket abrundet. Für den Begründer der New Work-Bewegung, Frithjof Bergmann, einem mittlerweile 90 Jahre alten, österreichisch-US-amerikanischem Philosophen, war das Ziel die Angestellten aus der Knechtschaft der Lohnarbeit zu befreien. Die Motivationstreiber Gehalt und Druck von Oben, sollten ergänzt oder gar ausgetauscht werden. Gute Leistung sollte aus Eigenmotivation entstehen, die wiederum aus dem Gefühl sinnstiftende Arbeit zu erbringen, einem guten Ausgleich zwischen Privatem und Arbeitsleben sowie einem anregenden Arbeitsplatz hervorgehen. Darüber wie gut das in den letzten Jahrzehnten umgesetzt wurde, lässt sich sicherlich streiten. Klar ist, dass es viele Unternehmen – und nicht nur Start-Ups – gibt, die angefangen haben, den Mitarbeiter anders zu betrachten. Nicht mehr nur als produzierende Einheit, sondern als ein Unternehmensfaktor, in den man investieren muss.

Das Problem, das dabei immer noch besteht, es wird oft nur ein Teil von Frithjofs Gedankengut angegangen und dann geht die Luft und Lust aus: „Kicker ist da, Obstkorb auch und sogar ein Tag Homeoffice im Monat; wir nennen uns jetzt ein innovatives Unternehmen“. Ein hochrelevanter Faktor ist jedoch nicht nur die ebenso viel verteufelte Work-Life-Balance, sondern auch das, was ich jeden Tag bei der Arbeit tue. Haben die Mitarbeiter, die alle Experten auf ihrem Gebiet sind, die Möglichkeit Arbeitsprozesse zum Besseren zu verändern? Ist die Kommunikation mit der Geschäftsführung offen und ehrlich? Gibt es möglicherweise Potential für flachere Hierarchien oder teamübergreifende Zusammenarbeit? Das sind alles Fragen, die sich ein Unternehmer und die Personalabteilung stellen müssen. Genauso sollten sich auch Arbeitnehmer fragen, ob sie denn bereit sind unternehmerisch und erfolgsorientiert zu denken. Denn New Work ist keine Einbahnstraße. Die plumpe Forderung von Mitarbeitern nach Homeoffice, weil „man sich ja der Zeit anpassen müsse“, ohne dabei die geforderte Flexibilität beidseitig auszulegen, bringt die Chefetage gegen genau die Maßnahmen auf die Palme, die für alle so nötig wären.

Das Büro der Zukunft ist so gestaltet, dass es für alle möglich ist effizient zusammenzuarbeiten. Das kann mal ein lichtdurchflutetes Großraumbüro sein, mal ein urig gestaltetes Kellergewölbe. Neben Annehmlichkeiten wie Kaffee, Obst und Ergonomie, muss es jedem möglich sein, seinen täglichen Routinen einen Sinn zuzuschreiben.