Ausgabe 01/2021

Prognosen 2021

2021 – Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Entwicklung fest im Griff

Weitere Infektionswellen – die Frage nach einem harten Lockdown – Impfstoffverfügbarkeit – viele, unberechenbare Faktoren rund um COVID-19 werden die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten weiterhin beeinflussen. Dennoch versuchen die Wirtschaftsforschungsinstitute Prognosen für die Entwicklung der deutschen und weltweiten Wirtschaft zu erstellen. Einig sind sich die Spezialisten in einem: Der wichtigste Faktor für die konjunkturelle Entwicklung ist der weitere Verlauf der Corona-Pandemie.

 

Infektionsgeschehen hat großen Einfluss auf die Wirtschaft

Ereignisse wie der Brexit oder auch die US-Präsidentschaftswahlen haben und hatten einen maßgeblichen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Dass diese Faktoren aber hintenanstehen, darüber sind sich Timo Wollmerhäuser, Leiter der Konjunkturforschung und -prognosen am ifo Institut, und Oliver Holtemöller, stellvertretender Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), einig. Das Infektionsrisiko und die notwendigen Maßnahmen um dieses möglichst einzuschränken, ist sehr viel entscheidender für die Konjunktur 2021. Wie sich die jetzt vermehrt auftretenden Virusmutationen auf das Infektionsrisiko und entsprechende Einschränkungen auswirken, ist noch gar nicht absehbar. Einigkeit besteht weiter darin, dass solange die Möglichkeit von neuen Lockdowns besteht, diese die wirtschaftliche Erholung bremsen und eine Rückkehr zur vorherigen Normalität verhindern. Dieser Faktor muss bei der Prognose der konjunkturellen Entwicklung berücksichtigt werden – ein schwieriges Unterfangen.

 

Starke Bewegungseinschränkung vertieft die Rezession

Um zu sehen was kommt, müssen wir darauf blicken was war. So stellten die Ökonomen rund um Timo Wollmershäuser fest, dass, je stärker ein Lockdown die Bewegungsfreiheit der Menschen einschränkte, desto stärker brach die Wirtschaft zunächst ein. Die tiefe Rezession in Belgien, Frankreich oder auch Spanien und Italien wurde in der ersten Hälfte 2020 vor allem auch dadurch ausgelöst, dass die Menschen ihre Wohnungen nicht mehr verlassen durften. Wollmershäuser erklärt, dass sich dieser Zusammenhang für das zweite und dritte Quartal in allen Ländern weltweit zeigt. Positiv, im Umkehrschluss ist dabei, dass sich die Wirtschaft, sobald die Ausgangsbeschränkungen im Sommer 2020 aufgehoben wurden, in den Ländern mit einem stärkeren Lockdown auch schneller wieder erholten als bei denen mit einer milderen Ausgangsbeschränkung.

 

Impfstoff als Gamechanger

Ökonomen wie Holtemöller gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung zügig einsetzt, sobald die deutsche Bevölkerung hinreichend geimpft ist. Wenn die Menschen keine Befürchtungen mehr haben müssen und offizielle Beschränkungen aufgehoben sind, kann die Erholung relativ zügig stattfinden. Ob die Automobilindustrie, der Reiseverkehr oder auch der Einzelhandel sowie die Gastronomie – alle Branchen, die unter der Pandemie so stark gelitten haben, werden davon profitieren, dass sich in privaten Haushalten ein finanzieller Puffer angesammelt habe, den es auszugeben gilt. Das ifo Institut ist optimistisch und prognostiziert ein Wachstum des BIP um 4,4 Prozent – vorausgesetzt, dass die Schutzmaßnahmen ab April gelockert werden können. Auch die Reisebranche wird sich dann, besonders im Bereich Geschäftsreisen, stabilisieren. Der persönliche, soziale Austausch mit Kunden und Geschäftspartnern ist unersetzbar, enorm wichtig und auf Dauer nicht durch das Telefon oder Videokonferenzen zu ersetzen. So prognostiziert Dr. Christopher Anderson, Wirtschaftsprofessor an der Cornell University Hotel School, dass Geschäftsreisen als erstes wieder aufgenommen werden.