Ausgabe 03/2021

Tod der Handlungsreise? Im Gegenteil!

Corona revolutioniert die Mobilität. Früher musst man für viele Arbeiten reisen, plötzlich kann man das bequem vom Arbeitsplatz in der Firma oder von zu Hause via Zoom und Teams erledigen. Viele glauben, die Virtualisierung menschlicher Kontakte senke den Nutzen des Reisens und die Reiseaktivität werde auch nach Corona tief bleiben. Ein jüngst in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichter Artikel geht allerdings davon aus, dass wahrscheinlich das Gegenteil der Fall sein wird.

Die Ergebnisse einer aktuellen SAP-Studie (Global Business Travel Survey 2021) zeigen: Rund 96 Prozent der der Geschäftsreisenden sind bereit, in den nächsten 12 Monaten wieder zu reisen. Nicht neu, aber relevanter denn je ist deshalb die Diskussion, wie sich die Pandemie auf die Geschäftsreisen auswirken wird. Von Sicherheitsaspekten über Nachhaltigkeitsbestrebungen bis hin zum Kostenfaktor.

Die naheliegende Annahme: Die Häufigkeiten von Business Trips wird sinken. Virtuelle Plattformen wie Microsoft Teams und Zoom würden klassische Geschäftsreisen ablösen. Es gibt aber auch andere Stimmen, denn immer häufiger zeichnet sich der gegenteilige Fall ab. Sogar von einem regelrechten Reise-Hype ist die Rede, auf den sich Unternehmen vorbereiten und dem sie mit großer Flexibilität bei der Wahl der Transportmittel, Unterkunft oder Reisedaten künftig begegnen müssen. Die Süddeutsche Zeitung hat diese These mit drei wesentlichen Kernpunkten untermauert:

  1. Zunehmend globale Vernetzung: Durch die Coronabedingte Virtualisierung hat die globale Vernetzung neue Ausmaße angenommen. Kleine und mittelständische Unternehmen bis hin zu Großkonzernen können heute digitale Kanäle nutzen, um Kontakt zu Partnern in aller Welt aufzunehmen. Und da ein regelmäßiger, persönlicher Kontakt zu internationalen Geschäftspartnern für die Beziehungspflege unerlässlich ist, dürfte künftig das Reisaufkommen steigen.
  2. Die Konkurrenz schläft nicht: Die virtuelle Pflege von Geschäftskontakten funktionierte während der Pandemie nur, weil auch Wettbewerber nicht reisen konnten. Sobald erste Unternehmen persönliche Treffen wieder aufnehmen, werden weitere nachziehen, um ihrer Konkurrenz in nichts nachzustehen.

  3. Geschäftsreise als Effizienz-Booster: Während Geschäftsreisen in der Vergangenheit mit ungenutzten Warte-, Reise- und Aufenthaltszeiten verknüpft waren, lässt sich diese Zeit durch neu etablierte IT-Strukturen künftig produktiv nutzen.

 

Insbesondere letzteres war bereits vor der Pandemie spürbar: Viele Geschäftsleute waren beim Reisen dauernd am Telefon, schreiben und lasen E-Mails. Künftig ist man durch den Schub der Digitalisierung auf Reisen in vielerlei Hinsicht fast wie am eigenen Arbeitsplatz in der Firma.

Deshalb gehen Fachleute davon aus, dass nach der Pandemie das sogenannte Jevons-Paradoxon hier seine Wirkung entfalten wird, insbesondere für das arbeitsbezogene Reisen. Dieses Paradoxon geht davon aus, dass der technische Fortschritt, der eine effizientere Nutzung einer Ressource erlaubt, letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieser Ressource führt, anstatt sie zu senken. Das bedeutet: Für Geschäftsreisende sinken die Kosten der Mobilität dramatisch, weil sie auf der Reise und am Zielort dank zunehmender Virtualisierung mit ihrer Heimatbasis Kontakt halten können. Sie könne viele der anfallenden Verpflichtungen und Arbeiten erledigen, obwohl sie gerade weit weg sind.                    

 

Fazit der Süddeutschen Zeitung

Die Virtualisierung wird uns bald ein neues Zeitalter des Dauerreisens mit noch mehr globaler Arbeitsmobilität katapultiert. Oder anders: Hat die Entwicklung des Telefons zu weniger oder zu mehr Reisen geführt? Natürlich zu mehr!