Ausgabe 01/2021

München

Monaco di Baviera, Minga oder einfach München

Impfstoff hin oder her, momentan sind lange Reisen noch nicht drin. Warum also nicht mal im eigenen Land umschauen? Das hat nämlich einiges zu bieten. Zum Beispiel München – was sich für den Flensburger und die Hamburgerin eh wie Ausland anfühlt.

München oder „Minga“, wie die Bayern sagen, ist mit fast 1,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt in Deutschland, gleich nach Berlin und Hamburg. Doch München fühlt sich an vielen Ecken gar nicht so metropolig an. Das hat auch einen guten Grund: Ein Bürgerentscheid im Jahr 2004 hat ergeben, dass kein Gebäude in München die Frauenkirche mit ihren knapp 100 Metern Höhe übertreffen darf. Das und die verputzten farbenfrohen Fassaden, die schicken alten Straßenschilder und die Nähe zu den Bergen erinnert an die mediterranen Regionen Europas und wirken auf andere deutsche Großstädter möglicherweise sogar entschleunigend.

Wofür ist München neben der Frauenkirche noch bekannt? Natürlich Tradition, das Oktoberfest und der Fußball: Drei Merkmale, die für viele aus dem Ausland, das sind, was Deutschland eben ausmacht – ganz zum Verdruss der übrigen 15 Bundesländer. Die Wies’n, wie das Oktoberfest auch genannt wird, weil es auf der Theresienwiese stattfindet, ist das weltgrößte Volksfest und hat 2018 inklusive Übernachtungen 1,2 Milliarden Euro umgesetzt. Wer einen komödiantischen Einstieg in die bayerische Festzeltkultur sucht, der ist bei Harry G’s Guide zum Oktoberfest, bestens aufgehoben.

Nicht nur während der Wies’n-Zeit erstrahlt München in kultureller und wirtschaftlicher Vielfalt. Die Stadt an der Isar ist laut Wirtschaftswoche die wirtschaftlich erfolgreichste Stadt in Deutschland, bezogen auf Faktoren wie Produktivität, Bruttoeinkommen, Investitionen, Innovationen, Arbeitslosenquote und Zahl der Hochqualifizierten. Großen Anteil daran hat auch die Technische Universität München, die mit über 10.000 Beschäftigten, nach der Stadt und BMW, der drittgrößte Arbeitgeber der Region ist. Dieser Reichtum wird auch gerne gezeigt, besonders in der Maximilianstraße, wo sich große Modeunternehmen, wie Armani, Chanel und Dior niedergelassen haben. Nicht umsonst heißt München auf Italienisch Monaco di Baviera (das Monaco Bayerns).

Aber München ist nicht nur Schickeria, sondern auch Szene und Gemütlichkeit. Ein gutes Beispiel dafür ist die Maxvorstadt, das Universitätsviertel, mit seinen Kneipen, Museen, Buchhandlungen und modernen Street-Food-Restaurants. Auf dem Königsplatz zeigt die Stadt Sommerkonzerte und Filme auf einer Freilichtbühne. Wer echten Münchnern ein paar echte Geschichten entlocken möchte, geht zu Charlotte ins Ungewitter, eine urige Wirtschaft, wo die Jukebox auch schon vor den Hipstern in der Ecke stand.

Eine halbe Seite über München schreiben und das Wort Bier nicht erwähnen, ist wahrscheinlich in München eine Straftat. Daher darf die langjährige Brautradition Münchens nicht unerwähnt bleiben. Die älteste Münchner Brauerei ist wohl auch die Bekannteste, Augustiner Bräu (von 1328), mit ihren wichtigsten Marken Helles Lager und Export „Edelstoff“. Von den insgesamt 19 Brauereien, die noch auf Münchener Stadtgebiet produzieren, seien noch Hacker-Pschorr, Franziskaner, die staatliche Brauerei Hofbräu und Löwenbräu erwähnt. Bei der hohen Anzahl an Brauereien überrascht daher auch nicht, dass in Bayern mit 24,5 Millionen Hektolitern im deutschlandweiten Vergleich 2018 am meisten Bier getrunken wurde. Das sind 188 Liter pro Kopf im Jahr und 577 Flaschen in norddeutscher Bierrechnung (0,33l) und 944 Kölsch (0,2l) bei den Rheinländern; Prost! Es gehört hier eben zur Kultur, dass, insbesondere die älteren Herrschaften, auch gerne schon mal nachmittags ein Weizen trinken.

Bier wird auch gerne im Englischen Garten getrunken, der mit fünf Kilometern Länge und einem Kilometer Breite sogar größer ist als der Central Park in New York. „Englisch“ ist er, weil den Landschaftsgärtnern bei der Gestaltung die damals berühmte englische Vorgartenkultur als Vorbild diente. Der Park ist für Touristen wie Ortsansässige ein Ort der Entspannung, des Sports, der Picknicks und sogar des Wassersports. An einer besonderen Stelle der Isar liegt die Eisbachquelle, die für geübte Surfer eine perfekte Gelegenheit ist, die Fähigkeiten auf dem Brett zu testen – und das ganz ohne Nord- oder Ostsee.

Wir können wohl dieser großartigen Stadt in so wenigen Worten nicht gerecht werden. Das deftige traditionelle Essen, die Trachten, die saubere und fast antik wirkende U-Bahn, die schnuckelige Straßenbahn, zahlreiche kulturelle Einrichtungen, faszinierende Schnurrbärte, Blasmusik – das müssen Sie alles einmal selbst sehen, schmecken und testen. Es lohnt sich.

Das Siegestor wurde 1843 bis 1850 errichtet und ist ein Symbol für den Sieg über das Frankreich Napoleons I.
Der Englische Garten gehört mit 375 Hektar zu den größten Grünanlagen der Welt
Auf der Eisbachwelle kann auch im Winter gesurft werden
19 Brauereien produzieren in München und sorgen dafür, dass der Bayer 188 Liter Bier pro Jahr trinken kann
Der Königsplatz befindet sich in der Maxvorstadt und wird zur Kulisse für zahlreiche Openair-Veranstaltungen
Die Frauenkirche, die offiziell Dom zu Unserer Lieben Frau heißt, wurde 1494 geweiht und zählt zu den Wahrzeichen von München