Ausgabe 01/2018

Autonome Taxis und knitterfreie Hemden

Geschäftsreisen im Jahr 2030

In Windeseile Koffer packen, auf das Taxi warten und zum Flughafen hetzen: Von stressigen Business Trips können alle Vielreisenden ein Lied singen.

Am Flughafen angekommen, steht der Geschäftsreisende erst eine gefühlte Ewigkeit in der Schlange für den Sicherheitscheck und nach der Landung genauso lange vor der Passkontrolle. Anschließend muss dem Taxifahrer mit Händen und Füßen erklärt werden, wo das Hotel liegt. Richtig Ruhe findet er auch im Hotelzimmer nicht, denn ein Blick in den Koffer zeigt: Wenn man am nächsten Tag einen guten ersten Eindruck schinden will, sollten die Transport-Falten schleunigst aus dem Hemd verschwinden.

Als ich während meiner letzten Geschäftsreise, die von dieser stressigen Sorte war, meine Hemden an der Rezeption zu einem horrenden Preis dem Bügelservice des Hotels übergab, fiel mein Blick auf das Cover einer Zeitschrift. Die Titelgeschichte beschäftigte sich mit den digitalen Trends der nächsten Jahre.

Auf dem Weg zurück ins Hotelzimmer kam ich ins Grübeln: Wenn die Digitalisierung schon jetzt unseren Alltag durchdringt, wie könnte sie in Zukunft zu einem entspannteren Reisen beitragen? Lassen Sie uns das Gedankenexperiment wagen und ins Jahr 2030 reisen. Dank der Vernetzung aller Geräte im Haushalt gehört die vergessene Zahnbürste der Vergangenheit an: Der smarte Koffer weiß, ob Schlafanzug, Laptop und Co. an Bord sind und sendet einen Reminder auf das Handy, falls etwas fehlt. Der Outlook-Kalender sendet alle Termine automatisch an einen Charsharing-Anbieter. Das vollautonome Auto weiß daher, wann der Geschäftsreisende am Flughafen sein muss und holt ihn pünktlich ab. Wer so bequem kutschiert wird, kann in Ruhe die Kundenpräsentation fertig stellen.

Auch die Warteschlangen am Flughafen entfallen: Mit einem molekularem Scanner wird das Gepäck in Sekundenschnelle durchleuchtet und eine automatische Gesichtserkennung ersetzt die üblichen langwierigen Passkontrollen – diese nutzen bereits heute die Flughäfen in Paris, Amsterdam und in mehreren Städten in den USA.

Während ich so meinen Zukunftsvisionen nachhing, klopfte es an der Tür, die ordentlich gebügelten Hemden kamen zurück und ich musste ein wenig schmunzeln. Zerknitterte Kleidung wäre wohl auch noch in 15 Jahren ein Problem, wenn selbstfahrende Autos schon längst die Straßen bevölkerten. Doch weit gefehlt – als ich vor kurzem einen Bericht über die CES 2018 in Las Vegas sah, musste ich einsehen, dass mir auch hier die Technik zehn Schritte voraus ist.

Auf der wichtigsten Technologie-Messe der Welt wurde unter anderem FoldiMate vorgestellt. Ein Roboter, der Kleider schrankfertig zusammenfaltet. Hätte sich dieser smarte Kollege um meine Hemden gekümmert, wären sie wahrscheinlich knitterfrei angekommen. Momentan gibt es nur den Prototyp, das Gerät soll erst 2019 auf den Markt kommen. Bis dahin bleibt mir nichts anderes übrig, als an meiner Falttechnik zu arbeiten – das youtube-Tutorial lädt schon.