Ausgabe 04/2019

Der Kochkurs

Schrottwichteln wird in seiner Schrecklichkeit nur von einer anderen weihnachtlichen Aktivität übertroffen: Weihnachtsfeiern.

Ja, wer seine Kollegen total toll findet, mit den Vorgesetzten super gut klarkommt, sich unter Alkoholeinfluss immer unter Kontrolle und Tischmanieren wie ein Blaublüter hat, der mag bei diesem Ereignis sogar Freude empfinden. In der Regel trifft davon eher weniger, als mehr als die Hälfte zu. Das führt dazu, dass die Planungsmail von der guten Seele des Büros statt Freude etwas in die Richtung von Entsetzen auslöst. Ein kitschiges Bild mit Katzen in Weihnachtspullovern ziert die E-Mail, die uns die Auswahl zwischen Kegeln, Bowling, – wow, da kriegt man Lust auf mehr – Lasertag, Kochkurs und Escape Room gibt.

Ich drifte gedanklich ab und stelle mir vor, wie ich durch dunkle Gänge husche und plötzlich von meinem bösen grinsenden Teamleiter mit einer Laserwaffe ins Visier genommen werde oder auf ewig mit den drei Kollegen aus der Buchhaltung in Hitchcocks Grotte des Todes eingeschlossen bin, weil wir den verdammten Schalter nicht finden. BUMM! Die Hand einer Kollegin klatscht auf meinen Tisch, weitere folgen ihr in unser Dreierbüro.

Man kann einiges an Geld darauf wetten, dass sich die Meute zwischen drei bis fünf Minuten nach einer Organisationsmail mit dem Betreff „Weihnachtsfeier“, „Sommerfest“ oder „Schrottwichteln“ zusammenrottet. „Nicht schon wieder Kegeln. Ich hab Lust auf den Kochkurs.“ „Nee, Kegeln ist super. Trinken, quatschen und zwischendurch mal werfen, mehr brauch ich nicht.“ Ich möchte rufen: „Ich hab keinen Bock auf eine Weihnachtsfeier.“ Aber das haben wir beim Schrottwichteln schon gelernt, die Nichtteilnahme an einem dieser Events führt zum sozialen Ausschluss.

Also spiele ich brav mit und plädiere für den Kochkurs. Ich koche zwar nicht gerne, aber ich denke mir, dass man da vielleicht wenigstens was lernt. Außerdem kann ich mich vielleicht danach mit der Ausrede verabschieden, dass mir der Mist, den ich da zusammengekocht habe, auf den Magen geschlagen ist. Was war ich optimistisch. Da kann doch nicht viel schiefgehen, meint ihr? Schon mal statt Olivenöl kaltgepresstes Öl in eine heiße Pfanne gekippt? Der Kochkurs war für alle Beteiligten schneller vorbei als jemand Öl sagen konnte, die Chefin hat dem panisch fuchtelndem Vorkocher auf die Schuhe gebrochen und zahlen mussten wir trotzdem. Nur ein Gutes hatte die Geschichte: Die Magenschmerzen musste ich nicht mehr vortäuschen. Guten Appetit!