Ausgabe 02/2019

Kaffee oder Tee?

Der Mythos ums Heißgetränk

In jedem Büro gibt es Verbündete und Konkurrenten, es werden Freundschaften geschlossen aber auch Abneigungen entwickelt. Es gibt Schleimer, Bemühte, Streber, Faulenzer, Fleißige – kurz gesagt: Hier geht es zu wie einst auf dem Schulhof. Und irgendwie müssen im Alltag und im Alter all diese unterschiedlichen Charaktere miteinander auskommen. Doch eine Frage spaltet die Belegschaft eines jeden Unternehmens. Eine Entscheidung, die jeweils der anderen Seite verständnislose Blicke entlockt. Die Wahl für eine Seite der ewigen Rivalen: Kaffee oder Tee?

Während Kaffeetrinker auf den aromatischen Geruch und die belebende Wirkung schwören, sind Teetrinker überzeugt, dass der mildere Tee genauso als Wachmacher dient, dabei aber deutlich gesünder ist. Tatsächlich gibt es nur wenige flexible Trinker, die meisten Menschen stehen zu ihrem Heißgetränk. Das führt sogar zu dem einen oder anderen Vorurteil: So wird den Kaffeetrinkern eine schnellere Lebensweise zugeschrieben (Coffee-to-go), die aber schnell auch in Hektik und Stress ausartet. Teetrinker hingegen wird Gemütlichkeit und Ruhe nachgesagt. So entsteht vermutlich auch die weit verbreitete Meinung, dass Tee gesünder sei als Kaffee, Kaffee aber besser wirke – doch stimmt das auch?

„Koffein macht wacher“, argumentieren die Kaffeetrinker. Das stimmt, doch das im Tee enthaltene Tein ist nichts anderes als Koffein, in beiden Heißgetränken steckt das gleiche Molekül (ausgenommen Früchte- und Kräutertees). Unterschiede gibt es nur in der Wirkweise. Kaffee wirkt im Magen und somit schneller als Tee, der erst im Darm seine Kraft entfaltet. Wer jedoch dem Tee nur eine kurze Ziehzeit gönnt, kann die Wirkung des Koffeins schneller entfachen.

Nun stimmt diese These also nicht – „aber Kaffee ist viel ungesünder“, meinen viele Tee-Liebhaber. Herzrasen, Kopfschmerzen, nervöses Zittern – viele Nebenwirkungen werden dem schwarzen Muntermacher nachgesagt. Doch hier gilt wie so oft: Klasse statt Masse. Wer Kaffee, wie auch Tee in Maßen genießt, profitiert eher von positiven Effekten auf die Gesundheit. Beide Getränke senken das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen und reduzieren das Krebsrisiko. Außerdem können Kaffee und Tee Alzheimer und Parkinson vorbeugen und bei Multipler Sklerose helfen. Natürlich sind die beiden Muntermacher keine Wundermittel aber bei so vielen guten Nebenwirkungen kann man doch schon mal die Tasse heben.

Wie unter Kollegen sollte auch bei den klassischen Büro-Getränken keine Rivalität herrschen. Mal sind die Fähigkeiten des Texters gefragt und mal die Rechenkünste des Kaufmanns und genauso passt mal eher der vollmundige Kaffee zum Croissant am Morgen und zu den Entspannungsmomenten am Nachmittag eher eine Tasse Tee. Fakt ist: Beide haben ihre Stärken, ihre Daseinsberechtigung und tun sowohl Körper als auch Seele gut und das kann ja nie verkehrt sein.