Ausgabe 03/2018

Komfortzone Büro

Vollzeit-Angestellte verbringen etwa 210 Tage im Jahr im Büro, durchschnittlich acht bis zehn Stunden täglich. Einen Großteil des Lebens sitzt man an seinem Arbeitsplatz – klar, dass sich jeder diese Stunden so angenehm wie möglich gestalten möchte. Wasserkocher für den Tee, Schoki in der Schublade oder auch ein Sitzkissen sind typische Hilfsmittel im langen Büroalltag. In einigen Punkten ist eine gemeinsame Komfortzone jedoch sehr schwierig einzurichten und bedarf gütlicher Einigung zwischen allen Büroinsassen. Ich spreche von der ewigen „Tür zu es zieht – Fenster auf es mieft – Diskussion“. Die größten Konfliktherde und mögliche Lösungen in Kürze:

Das Licht

Es gibt Lerchen und Eulen – auch im Büro. Einige genießen den Sommer, die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut. Andere scheinen beim bloßen UV-Kontakt zu Staub zu verfallen und schließen panisch Vorhänge und Rollläden. Im Winter hingegen kommen Tagmenschen lieber mit dem wenig vorhandenen, natürlichen Licht aus. Der Nachtmensch bevorzugt künstliche Strahlen der Deckenlampe. Deal: Sonne nur ausschließen, wenn sie blendet – gönnen Sie doch ansonsten den anderen den Lichtkontakt. Die Lampe darf an, wenn es zu dunkel ist, wer vorher schon Licht braucht, nutzt besser eine kleine Tischleuchte.

Die Luft

Fenster auf, Fenster zu, Fenster kippen – es scheint in deutschen Büros eine sportliche Disziplin zu sein. Denn wir sind nicht nur alle sehr unterschiedlich in unseren Empfindungen, sondern dabei auch noch sehr empfindlich. „Mir ist warm“, „ich friere“, „mir zieht’s im Nacken“, „Der Straßenlärm nervt“ oder „hier stinkt’s“ sind nur einige der täglichen Nörgeleien, die durch die Büroräume raunen. Deal: Besprechen Sie Lüftungszeiten mit ihren Zimmergenossen. Diese dürfen je nach Außentemperatur dann auch mal etwas länger oder eben kürzer ausfallen.

Die Lage

Ob am Strand, im Bett oder eben im Büro. Es gibt immer die perfekte Position. Am Arbeitsplatz sind besonders Raumecken beliebt: Hier hat jeder etwas Privatsphäre und fühlt sich nicht dauerhaft beobachtet. So kann auch mal kurz nach einem Paar Schuhe oder dem aktuellen Kinoblockbuster gesurft werden. Auch Fensterplätze sind heiß begehrt, der sehnsüchtige Blick nach draußen – in die Freiheit – hilft vielen über den Tag. Wer sich beim Revierkampf nicht durchsetzen kann, muss eventuell in Hörweite des Chefs oder auf dem Präsentierteller sitzen. Deal: Hier gilt fair bleiben. Jeder sollte sich überlegen, was ihm am wichtigsten ist und darum kämpfen. Dafür sollte man in anderen Punkten Abstriche machen. Und nicht vergessen: Die Stühle sind meist die gleichen.

Wie in einer guten Ehe besteht auch der Büroalltag aus Kompromissen. Wer nur mit dem Kopf durch die Wand will, wird schnell mit den Kollegen anecken. Wer alles über sich ergehen lässt, gibt seine eigene Komfortzone auf, in der er nun mal einen großen Teil seiner Lebenszeit verbringen muss. Gibt es gar keine Chance auf Einigung, sollte man die Büros statt nach Zuständigkeiten vielleicht besser nach Frostbeulen und Frischluftfanatikern aufteilen. Und wenn das alles nicht hilft, bleibt nur der Gedanke an das heimische Sofa – die beste Komfortzone überhaupt.