Ausgabe 02/2017

Carsharing gibt Gas

Ob Büro, Bohrmaschine oder Designer-Handtasche: In nahezu allen Lebensbereichen hat die Share Economy Einzug gehalten. Denn warum einen Gegenstand besitzen, wenn man ihn genauso gut teilen kann? Ganz vorne mit dabei: Carsharing. Und das kommt immer mehr in Fahrt.

Sie prägen ganz selbstverständlich das Straßenbild deutscher Städte: Fahrzeuge von Car2Go, DriveNow, Stadtmobil, Stattauto und Co. Etabliert haben sich zwei Carsharing Varianten. Beim stationsbasierten Carsharing, das beispielsweise Flinkster und Cambio nutzen, stehen die Autos auf einem festen Parkplatz. Kunden holen das Auto dort ab und bringen es nach der Tour wieder dorthin zurück. Beim Free-Floating, das zum Beispiel Car2Go und Drive Now anbieten, steht der Wagen dort, wo der letzte Kunde ihn abgestellt hat. Man ortet ihn per Smartphone und stellt ihn nach der Fahrt an einem beliebigen Ort im Stadtgebiet wieder ab. Dieses System ist bislang allerdings nur in Großstädten verfügbar.

In 2016 ist die Zahl der Carsharing-Nutzer laut dem Bundesverband CarSharing e.V. in Deutschland 2016 stark gestiegen. Am 1. Januar 2017 waren rund 1,7 Millionen Kunden bei den rund 150 Carsharing-Anbietern registriert. Das sind 36 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Bei den stationsbasierten waren etwa 455.000 Teilnehmer angemeldet (+5,8 Prozent gegenüber 2015). Das Wachstum bei den Free-Floating-Angeboten war besonders stark: Die

Nutzerzahlen schnellten um 51,8 Prozent auf gut 1,2 Millionen. Insgesamt standen den Nutzern 17.200 Fahrzeuge zur Verfügung. Auch die Zahl der Orte, an denen man Carsharing als Alternative oder Ergänzung zum eigenen Auto nutzen kann, kletterte von 537 in 2015 auf jetzt 597 Städte und Gemeinden.

Unterschiede zeigten sich bei der Anzahl der Kunden je Fahrzeug. Bei den stationsbasierten Anbietern teilten sich im Schnitt 48 Kunden ein Fahrzeug, während es bei den Free-Floating-Anbietern im Mittel 173 Nutzer waren. Diese Zahlen zeigen, wie unterschiedlich die beiden Systeme genutzt werden: Free-Floating bedient vor allem die Nachfrage nach sehr kurzen innerstädtischen Fahrten, während stationsbasierte Fahrzeuge auch für längere Touren, wie Ausflüge und Wochenendfahrten, gemietet werden.

Klar ist: Carsharing entlastet den Verkehr und schont die Umwelt. In innerstädtischen Gebieten ersetzt laut dem Bundesverband CarSharing ein stationsbasiertes Carsharing-Fahrzeug bis zu 20 private Pkw. Auch der Gesetzgeber wird das Teilen von Autos nun stärker fördern. Ende März hat der Bundestag das sogenannte Carsharing-Gesetz verabschiedet. Dieses ermöglicht unterschiedliche Privilegierungen, zum Beispiel reservierte Stellplätze im öffentlichen Straßenraum für einzelne stationsbasierte Anbieter, sowie mehr Parkplätze nur für Carsharing-Fahrzeuge. Außerdem im Gesetz enthalten: die Möglichkeit, ermäßigte Parkgebühren für Carsharing-Pkw zu gewähren oder sie komplett von den Gebühren zu befreien. Ob und inwieweit die Regelungen umgesetzt werden, entscheiden jeweils die Kommunen. Das Carsharing-Gesetz soll zum 1. September 2017 in Kraft treten.

Mit dem eigenen Auto zum Flughafen? Wenn die Reise länger dauert, kann das teuer werden. Carsharing stellt eine lohnenswerte Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln dar.