Ausgabe 01/2020

Die Dienstreise absagen: No-Go oder legitim?

Wegen des plötzlichen Ausbruchs und der schnellen Verbreitung des Coronavirus in Wuhan, hat so manche Privatperson ihren Flug nach China storniert. Die Angst vor Ansteckung ist bei vielen groß, die tatsächliche Gefahr scheint nur schwer einschätzbar. Doch wie steht es eigentlich um Geschäftsreisen: Wann hat man rechtlich gesehen ein Anrecht darauf, eine Dienstreise abzusagen?

Ein Arbeitgeber darf eine Geschäftsreise anordnen, wenn dies im Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Und auch wenn eine entsprechende Klausel nicht festgeschrieben ist, ist es ihm in Einzelfällen möglich, eine Dienstreise aufzutragen, denn einem Unternehmen steht grundsätzlich das sogenannte Direktions- bzw. Weisungsrecht zu. Der Arbeitnehmer hat daher grundsätzlich nicht das Recht, eine Dienstreise beispielsweise aus Angst vor Ansteckungsgefahr abzusagen. Dies könnte ihm sogar als Arbeitsverweigerung angelastet werden, da er letztlich die geforderte Arbeitsleistung nicht erbringt.

Jedoch muss der Vorgesetzte seine Anordnung zur Dienstreise nach sogenanntem „billigem Ermessen“ ausüben. Das bedeutet, dass er seine Mitarbeiter nicht willkürlich Gefahren aussetzen sollte, sondern seiner Fürsorgepflicht nachkommen und gleichzeitig die Interessen des Arbeitnehmers und die betrieblichen Interessen berücksichtigen muss. Im Falle des Coronavirus kann ein Arbeitgeber sich auf aktuelle Einschätzungen von Behörden berufen, welche die Ansteckungsgefahr als gering bis moderat einstufen.

Eine eigenständige Absage einer Dienstreise kann sogar eine Abmahnung nach sich ziehen, wenn sie rechtlich keinen Bestand hat. Rechtsanwälte empfehlen Arbeitnehmern, die aufgrund einer bevorstehenden beruflichen Reise besorgt sind, das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen und gemeinsam die Fürs und Widers zu besprechen. In manchen Fällen lässt sich die Reise vielleicht auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Um eine Geschäftsreise rechtskonform ablehnen zu können, muss der Arbeitnehmer eine einleuchtende Begründung vorweisen. Wenn es um die eigene Gesundheit geht, ist hierfür eine ärztliche Bescheinigung notwendig. Ebenfalls akzeptieren muss der Arbeitgeber, wenn der Beschäftigte nachweislich die Pflege eines Elternteils übernehmen oder den eigenen Nachwuchs betreuen muss. In jedem Fall sollte jedoch ein persönliches Gespräch zwischen beiden Parteien stattfinden, um mögliche negative Folgen für den Beschäftigten zu vermeiden.