Ausgabe 04/2017

Hürden überwinden

Wie Sie eine Geschäftsreise auch mit Handicap meistern

Einsteigen, aussteigen, ankommen – dieses alltägliche Prinzip können nicht alle Personen leicht umsetzen. Für Menschen mit Behinderung sind Reisen immer eine Herausforderung. Die Risiken auf einer Geschäftsreise auf unüberwindbare Hindernisse zu stoßen, sind jedoch ungleich höher als bei einem privaten Urlaubstrip.

Im Urlaub die Treppen eines Museums nicht bezwingen zu können, ist ärgerlich und frustrierend. Doch bei beruflichen Reisen steht vieles auf dem Spiel – nicht selten geht es um neue Aufträge, Kundenakquise und viel Geld. Daher heißt es für alle Geschäftsreisenden – doch für diejenigen mit Handicap umso mehr: Vorbereitung ist alles. Wir wollen aufzeigen, vor welchen Hürden sich Menschen mit Behinderung häufig wiederfinden und zwar nicht nur im Alltag, sondern insbesondere im Berufsleben. Betroffenen möchten wir einige Tipps an die Hand geben, die dabei helfen können, eine Geschäftsreise mit Handicap zu planen.

Vor allem ist es ratsam, frühzeitig zu allen an der Reise Beteiligten Kontakt aufzunehmen. Ein Anruf bei der Airline, dem Bahnunternehmen oder dem Geschäftspartner kann vieles vereinfachen. Auch konkrete Anfragen zur Barrierefreiheit des Hotels können größere und kleinere Katastrophen abwenden. Hier gibt es, wie Betroffene sicher wissen, noch viel mehr zu klären, als nur die Überwindung von Stufen: Funktionieren die Aufzüge? Sind die Türen breit genug, um mit einem Rollstuhl oder Gehhilfen hindurchzukommen? Ist das Bad breit genug? Werden wichtige Räumlichkeiten wie Restaurant, Lobby und Meeting-Raum erreicht? Insbesondere spezielle Business-Hotels sowie die großen Ketten sind bei Dienstleistungen, Infrastruktur und Ausstattung gut aufgestellt und somit empfehlenswert. Wer immer noch unsicher ist, welches Hotel zu ihm passt und wie er sich vor Ort zurechtfindet, dem hilft MyAdress von der Stiftung MyHandicap mit Tipps zu barrierefreien Hotels, Meeting-Räumen, Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Parkplätzen etc.

Die einfachste Möglichkeit zu reisen ist das Auto. Man muss nicht umsteigen oder erst an Bahnhof oder Flughafen fahren. Doch Sonderanfertigungen für Menschen mit Handicap sind teuer und somit besitzt lange nicht jeder Betroffene ein solches Auto. Noch verzwickter scheint die Lage, wenn ein Mietwagen nötig ist. Doch hier gibt es mittlerweile Lösungen: Viele große Fahrzeugvermietungen haben behindertengerechte Fahrzeuge, sowohl für Aktiv- als auch für Passivfahrer im Programm. Andere Firmen haben sich komplett auf Umbau und Vermietung solcher Autos spezialisiert. Teilweise gibt es Mietwagen schon ab 90 Euro pro Tag. Doch auch hier gilt: Eine rechtzeitige Planung ist wichtig, denn nicht immer steht solch ein Auto genau dort, wo es gebraucht wird und auch die Anzahl der vorrätigen Fahrzeuge ist im Regelfall eher niedrig.

Wer mit der Bahn reist, kann einen Mobilitätsservice in Anspruch nehmen. Hier gibt es Beratung zu Fahrplänen und Barrierefreiheit von Bahnhöfen aber auch Hilfestellung beim Ein- und Umsteigen. Bei weiten Strecken oder Tagesreisen kommt man häufig nicht um einen Flug herum. Hier ist es für mobilitätseingeschränkte Menschen von Vorteil, sich eine FREMEC-Card bei einer teilnehmenden Fluggesellschaft ausstellen zu lassen. Auf dieser Karte wird festgehalten, welche Beeinträchtigung vorliegt und an welcher Stelle Hilfe benötigt wird. So lassen sich viele Schritte während einer Flugreise planen und ohne größeren Zeitverlust abwickeln.

Manchmal ist denen, die ohne jegliche körperlichen Einschränkungen durchs Leben gehen, gar nicht bewusst, wie oft sich für beeinträchtigte Personen unüberwindbare Hürden auftun. Wer mit offenem Auge und helfender Hand durchs Leben geht, kann mit Sicherheit auch schon den einen oder anderen Stolperstein aus dem Weg räumen.