Ausgabe 01/2018

Souverän von Gang zu Gang

Die wichtigsten Knigge-Regeln fürs Geschäftsessen

Ein Lunchtermin mit dem Geschäftspartner kann ein Eisbrecher sein – oder zur echten Fettnäpfchenfalle werden. Denn wer die wichtigsten Knigge-Regeln missachtet, macht zwischen Suppe, gegrillter Forelle und Spaghetti schnell eine schlechte Figur. Besonders beim Restaurantbesuch im Ausland gilt es, regionale Tischsitten zu beachten.

Das richtige Verhalten am Tisch

Legen Sie auf keinen Fall das Smartphone neben den Teller. Das signalisiert dem Tischnachbarn, dass Ihnen die nächste Mail wichtiger ist als er. Schalten Sie das Handy daher aus oder zumindest auf Vibrationsalarm. Wenn Sie einen wirklich dringenden Anruf erwarten, können Sie kurz vor die Tür oder in einen Nebenraum gehen. Das Telefonat sollte dann aber unter fünf Minuten dauern, um die Geschäftspartner nicht zu lange warten zu lassen. Außerdem gilt: Passen Sie den Smalltalk der Situation an. In ungezwungener Atmosphäre können Sie über Ihren vergangenen Urlaub, gemeinsame Bekannte oder Ihren letzten Theaterbesuch plaudern. Doch egal wie nett der Abend ist, Sie sitzen hier immer noch mit Geschäftspartnern zusammen – Geschichten über Alkoholeskapaden aus der Jugend sind fehl am Platz.

Das Zuprosten ist im privaten Kreis ein beliebtes Ritual. Bei Geschäftsessen wirkt es allerdings oft unangebracht – häufig wird ganz darauf verzichtet. Deuten Sie stattdessen mit dem angehobenen Glas ein Zuprosten lediglich an. Ob Angestoßen wird, hängt außerdem vom Getränk ab. Nur Wein, Sekt und Champagner kommen dafür überhaupt in Frage und wenn Sie auf dem Oktoberfest unterwegs sind, auch Bier. Außerdem wird mittlerweile meist davon abgesehen, einen „Guten Appetit“ zu wünschen. Wenn alle Gäste ihre Speisen serviert bekommen haben, greifen sie als Startzeichen zum Besteck und blicken freundlich in die Runde. Bevor Sie mit dem ersten Gang starten, die Serviette nicht vergessen: Sie wird einmal umgeschlagen und auf dem Schoß platziert. Einzige Ausnahme: Beim Hummer- oder Krebs­essen darf sie um den Hals geknotet werden. Nach dem Essen legen Sie die Serviette locker gefaltet links neben den Teller.

Die Speisenauswahl

Wer hätte gedacht, dass bereits eine einfache Suppe zur wahren Stolperfalle werden kann? Denn hier gilt: Auch wenn die Bouillon heiß ist, bitte nicht pusten, sondern geduldig warten bis sie abkühlt. Den Löffel außerdem nur zu zwei Drittel füllen und immer mit der Spitze zum Mund führen. Für viele überraschend: Handelt es sich um eine klare Brühe ohne Einlage, darf der letzte Schluck ausgetrunken werden. Aber nur, wenn die Suppe in einer Henkeltasse serviert wird. Häufig wird zu Beginn des Essens Brot gereicht. Dieses wird nicht vor der Vorspeise gegessen, sondern ist als Beilage zu sehen. Bestreichen sie nicht die ganze Scheibe mit Butter, sondern brechen Sie vom sogenannten Couvert-Brot kleine Stücke ab. Auf keinen Fall sollte es in die Suppe eingetunkt werden.

Auch Fisch ist kein einfaches Gericht. Mit etwas Übung brauchen Sie aber keine Angst vor dem Besuch im Fischrestaurant zu haben. Zum Filetieren mit dem Fischmesser zunächst die Flossen entfernen und ab Kiemenhöhe einen Schnitt entlang dem Rückgrat setzen. Dann die Schwanzspitze abtrennen und das erste Filet abheben. Nun die Hauptgräte beginnend vom Schwanz in Richtung des Kopfes entfernen. Die Kiemen nicht vergessen: Sie gelten bei manchen Fischarten wie Forellen als Delikatesse. Kopf, Schwanz und Gräten kommen auf einen extra servierten Teller.

Gut zu wissen: Sie müssen nicht für alle Speisen Besteck verwenden. Wachteln, Artischocken, Spare Ribs, kleine Häppchen und alle Meerestiere, wie Krabben, Austern und Garnelen, werden mit den Fingern gegessen. Ist man sich unsicher, sollte man sich nach einer Fingerschale umsehen. Sie ist mit warmem Wasser und einer Zitronenscheibe gefüllt und dient dazu, sich die Hände nach dem Essen zu säubern. Steht sie auf dem Tisch, ist das ein untrügliches Zeichen, dass Sie das Besteck getrost zur Seite legen dürfen.

Andere Länder, andere (Tisch-)Sitten

Im Ausland herrscht teilweise eine ganz andere Tisch-Kultur. In China gilt es beispielsweise als höflich, beim Essen laut zu schmatzen und zu rülpsen. Damit signalisiert der Gast, dass ihm das Essen schmeckt. Japan hat wohl die kompliziertesten Regeln, wenn es um das Essen mit Stäbchen geht: Sie dürfen nicht überkreuzt werden, man sollte damit nicht auf den Tischnachbarn zeigen und sich davor hüten, damit herumzuspielen. Wenn es um die italienische Küche geht, fühlen sich viele Deutsche sicher. Aber auch hier lauern Fettnäpfchen: Italiener werden Sie als Gourmet-Banausen identifizieren, wenn Sie Ihre Pasta unter einem Berg aus Parmesan begraben. Bei Nudelgerichten mit Fisch oder Meeresfrüchten verzichtet man im Land der Dolce Vita sogar ganz auf Käse. Und bestellen Sie nach dem Essen bitte keinen Espresso. In Italien sagt man einfach caffè dazu.

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