Ausgabe 04/2018

Von 9 to 5 zum Open Office

Wie sich die Arbeitswelt verändert

Viertagewoche, Gleitzeit, Homeoffice – die Freiräume von Arbeitnehmern werden seit Jahren größer. Ergebnis ist deutlich mehr Freiheit und Selbstbestimmung im Arbeitsalltag. „New Work“ lautet der Fachbegriff und bezeichnet ebendiese neue Arbeitsweise. Die klassischen Arbeitsstrukturen, die von vielen Unternehmen mittlerweile als veraltet angesehen werden, weichen auf und werden flexibler. Mit der fortschreitenden Globalisierung und Digitalisierung ergeben sich auch neue Chancen, den Arbeitsalltag freier zu gestalten und diese sollen dazu genutzt werden, neue Arbeitsmodelle zu erschaffen und die sogenannte Arbeitswelt 4.0 aufzubauen.

New Work sorgt für Freiräume – im Büro, im Kopf, im Zeitplan, im Leben – und schafft so eine ausgewogene Work-Life-Balance. Ganz nach dem Motto: Ein zufriedener Mitarbeiter ist ein effizienter Mitarbeiter. Die Logik dahinter ist einfach. Wer genug Zeit hat, sich um sein Privatleben zu kümmern, zeigt eine deutlich höhere Motivation und Leistungsbereitschaft im Job. Da bleibt Facebook zu, das Handy in der Schublade und man konzentriert sich auf die anstehende Arbeit. Viele sind überzeugt: Auch wenn die tatsächliche Arbeitszeit kürzer ist, wird diese effizienter genutzt und die Gesamtleistung gesteigert.

Doch nicht nur im privaten Bereich ermöglicht die New Work Bewegung den Angestellten mehr Freiräume, auch bei der Arbeit selbst geht es seit Jahren selbstbestimmter zu. Die Hierarchien sind flacher, vorbei die Zeiten von strikten Arbeitsanweisungen. Angestellte wollen und sollen sich selbst Lern- und Leistungsziele setzen. Mehr Handlungsfreiheit – beispielsweise in puncto Entscheidungsgewalt – ermöglicht agilere Arbeitsweisen und macht Arbeitsschritte nicht nur effizienter, sondern auch schneller.

Neben den neuen Möglichkeiten der Freizeit- und Arbeitsgestaltung hat sich während der New Work Bewegung ein weiterer Trend durchgesetzt: Das Büro wird mehr und mehr zur Feel-good-Area. Große Firmen, insbesondere aus dem IT-Bereich, lassen ihre Mitarbeiter in Hüpfburgen und Bällebädern arbeiten, schicken sie in den Pausen zum Kätzchen streicheln und verbinden Büros und Mensa mit bunten Rutschen. Auch in kleineren Firmen und vor allem Start-ups wird das Büro zunehmend zum Wohnzimmer. Ob Tischkicker, Bierkühlschrank oder Konsolenecke, für das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist gesorgt. Über diese neuen Bürokonzepte werden Möglichkeiten zum Networking geschaffen, die Beziehungen untereinander gefestigt und es wird Raum für den kreativen Ideenaustausch geschaffen.

Die Vorteile des New Work-Konzepts liegen auf der Hand und werden immer mehr Führungskräften bewusst. Doch nicht jedes Unternehmen kann nach Belieben Veränderungen einführen und je nach Beruf oder Branche können einige Freiräume gar nicht geschaffen werden. Ein Polizist im Homeoffice macht genauso wenig Sinn, wie eine Krankenschwester mit Gleitzeit. Zudem ist nicht jeder Chef dazu bereit, den Mitarbeitern dieses hohe Maß an Selbstbestimmung einzuräumen. Und genau hier setzen pfiffige Gründer mit neuen Geschäftsideen an: Sie beraten Firmen wie und an welchen Stellen sie weg von den veralteten Strukturen der Arbeitswelt zu einem modernen, funktionierenden System kommen, in dem sich alle wohl fühlen und höchste Leistungen erbringen können.

Wie wichtig dieses Thema in der heutigen Arbeitswelt ist, zeigt der New Work Award, der in Deutschland seit 2014 für zukunftsweisendes Arbeiten vergeben wird. 2018 ging er unter anderem an das Unternehmen MAN, das seinen Mitarbeitern auf 300 m² eine Zukunftswerkstatt zur Verfügung stellt. Hier werden neue Arbeitsweisen erprobt und dann in der Praxis eingeführt. Und die Zukunft hält noch mehr solcher Ideen bereit. Fortschrittliche Unternehmen experimentieren mit rotierenden Führungsposten, uneingeschränkten Urlaubstagen und selbstbestimmten Gehältern. Spannende Ideen, von denen Angestellte wie auch Chefs profitieren können, solange Eigeninitiative und Vertrauen ebenfalls zum Arbeitsalltag gehören.

Angestellte schätzen die neuen, flexibleren Arbeitsweisen und die Get-together-Möglichkeiten mit Kollegen. Von ihrer Zufriedenheit und Motivation wiederum profitieren auch die Arbeitgeber.