Ausgabe 01/2019

Wie die Dienstreise zum Urlaub wird

Ein neuer Trend entsteht

Bleisure Travel – eine Wortkombination aus Business (Geschäft) und Leasure (Freizeit) – beschreibt den Trend, die Geschäftsreise mit privaten Freizeitaktivitäten zu verbinden. Eine genaue Definition ist kaum möglich, da diese Art des Reisens eine große Spannweite aufweist. Sie reicht vom Selbstständigen, der seinen Laptop bei sich hat und am Tag für eine Stunde seine Mails checkt bis hin zum Angestellten, der sich nach einem langen Tag voller Meetings ein Stündchen die Stadt ansieht.

Bleisure Travel ist auch keine brandneue Erfindung, sondern schleicht sich eher immer ein bisschen mehr und ein bisschen anders in unseren Arbeitsalltag ein. Vor allem der Trend zum New Work – also dem selbstbestimmteren Arbeiten in Form von Gleitzeit, Homeoffice oder frei wählbaren Urlaubstagen – unterstütze die Entwicklung, auch bei Geschäftsreisen das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden.

Dos and Dont's

Bleisure Travel führt zu einer Win-Win-Situation zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Wer seinen Angestellten kleinere Ausflüge oder gar eine Urlaubsverlängerung genehmigt, schafft Zufriedenheit. Das wiederum führt dazu, dass die Geschäftsreise selbst wesentlich positiver und motivierter angegangen wird. Sogar für Selbstständige ist es ein lohnendes Modell – frei nach dem Motto: „Erst die Arbeit dann das Vergnügen“, lassen sich durch die Verbindung von Job und Freizeit Fahrtwege, Reisekosten und Planungsarbeit sparen. Doch es ist auch Vorsicht geboten. Niemals sollte man seinen Chef oder die Firma ausnutzen oder gar belügen. Das kann schnell zu Abmahnungen und Kündigungen führen. Wer abseits der Arbeit sein Reiseziel erkunden möchte, sollte dies immer offen darlegen. Sollten dadurch Mehrkosten entstehen (z.B. weil der Rückflug einige Tage später teurer ist oder ein Doppelzimmer für Mitreisende einen Aufpreis kostet), so sollte dies ehrlich kommuniziert und gemeinsam mit dem Vorgesetzten nach einer Lösung gesucht werden. Freiberufler müssen vor allem darauf achten, die Kosten strikt zu trennen. Wer ein Privatvergnügen beispielsweise als Geschäftsessen ausgibt, hinterzieht Steuern und macht sich strafbar.

Wer oft unterwegs ist, bleibt lieber zuhause

Vor einigen Jahren wurde die Kombination aus Freizeit und Arbeit noch nicht so gerne gesehen. Mittlerweile ist die Akzeptanz dafür sowohl auf Arbeitnehmer- wie auch auf Arbeitgeberseite deutlich gestiegen. Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) fand bei einer Auswertung von Geschäftsreisen heraus, dass jeder fünfte Reisende mindestens einmal jährlich seine Freizeit mit dem Geschäftlichen verbindet. Die Lust auf Abenteuer in fernen Städten und Ländern nimmt jedoch deutlich ab, je häufiger jemand beruflich auf Reisen ist. Wer häufig in Bus, Bahn und Flugzeug sitzt, verbringt seine Freizeit am liebsten in den heimischen vier Wänden. So will der Mensch eben stets das, was er nicht haben kann. Den Bürohocker packt das Fernweh und den Vielreisenden das Heimweh. Vielleicht hilft dann eher die Kombination der Geschäftsreise mit einem Besuch bei entfernt wohnenden Bekannten und Verwandten.

Die Geschäftsreise zum Erlebnis machen

Insbesondere jüngere Leute, die in ihrem Leben noch nicht so viel von der Welt gesehen haben, fühlen sich von Geschäftsreisen inspiriert und motiviert. Laut DRV fühlt sich etwa die Hälfte aller Mitarbeiter zwischen 18 und 34 Jahren, auf Reisen produktiver. Für die Generation Y wird Arbeit zum Abenteuer, wenn sie sich außerhalb der oft so tristen Büroräume abspielt – das schafft positive Anreize. Zudem ist die Tour, abgesehen von der Kosten- und Zeitersparnis entspannter, wenn man Freizeitelemente mit den Businessaufgaben kombiniert. Der Reisestress wird deutlich gemindert und dadurch bestenfalls sogar die Krankenrate gesenkt. Darüber hinaus beschäftigt sich der Mitarbeiter mit den Örtlichkeiten, den Bräuchen und der Kultur seines Einsatzortes und lernt somit auch den Kunden näher kennen. Das kann die Geschäftsbeziehung stärken und den Profit steigern.

Fazit: Wenn sich Chef und Angestellte an einige Regeln halten, können beide Seiten viele Vorteile aus diesem Konzept ziehen.

Arbeiten in der Hängematte: Immer mehr Menschen verflechten Freizeit und Arbeit. Das kann Vorteile haben, wenn man sich an einige Regeln hält.
Nach dem Meeting rein ins Abenteuer. Gerade für junge Leute ist es besonders reizvoll, eine Geschäftsreise mit einem Ausflug oder Städtetrip zu verbinden und die Welt kennenzulernen.