Ausgabe 01/2019

Wie sicher ist die Welt

Unsichere Straßen, politische Unruhen und schlechte medizinische Versorgung vorhersehen mit der Travel Risk Map

Künstliche Intelligenz (folgend KI) ist ein Thema, das Bücher füllt, Meinungen spaltet und unendlich viele Anwendungsbereiche hat. Doch hier geht es um Geschäftsreisen und um den Service, den eine mitdenkende Maschine einem Geschäftsreisenden bieten könnte. Dieser Service besteht darin, die Planung der Reise so einfach wie möglich zu machen und dabei so individuell auf den Reisenden einzugehen wie irgend möglich.

Das bedeutet, dass eine KI die Vorlieben einer Person kennen muss: Maxi Musterfrau hat gerne mehr Beinfreiheit beim Fliegen, da darf das Flugticket ruhig etwas mehr kosten. Beim Mietwagen muss es hingegen keine Luxuslimousine sein, sondern lieber ein kleiner, sportlicher Wagen, ein Cabrio, wenn es die Jahreszeit erlaubt. Maxi liebt das Treiben in der Innenstadt und verabscheut Hotels in Gewerbegebieten – all das kann das System berücksichtigen – wenn es richtig gut ist, auch, dass Maxi eine Schwäche für diese eine köstliche Salami hat, die es nur auf dem einen Wochenmarkt gibt – fußläufig von ihrem Hotel und fünf Minuten mit dem Taxi zum Geschäftstermin. Diese Vorstellung liegt technisch und in der praktischen Umsetzbarkeit noch weit in der Zukunft. Denn der Status Quo der Technik, die aktuell angeboten wird, sieht noch anders aus, meint Steve Clagg, Microsofts Travel Technology Manager. „Niemand wählt einen Flug mit mehreren Zwischenstopps, nur um 50 Dollar zu sparen“. Häufig machen einem die gängigen Reiseplattformen jedoch genau diese chaotischen Angebote. Das ist, insbesondere für Geschäftsreisen, die meistens einem engen Zeitplan folgen, natürlich sehr ungünstig und behindert die Arbeit jedes Travel Agents. An dieser Stelle zeigt sich, dass eine besser entwickelte KI eine Chance für die ganze Branche sein kann.

Technisch ist die KI abhängig vom Menschen. Denn eine maschinelle Intelligenz ist darauf angewiesen, dass sie verwendet wird. Wie das menschliche Gehirn, brauchen die Platinen Input – also eine riesige Masse an Daten – um die Informationen sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Das setzt ein gewisses Vertrauen voraus, welches viele User noch nicht haben. Wie ein Mitarbeiter oder ein Dienstleister, muss sich eine KI dieses Vertrauen erst erarbeiten. KI-Lösungen, wie zum Beispiel Chatroboter tragen nicht dazu dabei, dass sich dahingehend ein Vertrauen entwickelt. Daher ist die Expertise des Travel Managers und der persönliche Kontakt weiterhin gefragt. Neben der technischen Entwicklung und dem Vertrauensproblem, ergibt sich eine weitere Hürde: Eine KI, die Entscheidungen trifft, kann ebenfalls Fehler machen. Was ist, wenn etwas falsch läuft? Wer ist für den Fall, dass Maxi Musterfrau eingeklemmt im Billigflieger und in der überteuerten VIP-Karosse entgegen ihren Wünschen das Hotel am Stadtrand erreicht und genervt und zu spät beim Geschäftstermin auftaucht, zur Verantwortung zu ziehen? Der Rechtsanwalt Torsten Kraul hat Gründerszene.de die KI-Rechtslage erklärt. Momentan ist das Unternehmen verantwortlich, welches die Maschine einsetzt. Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern und die am weitesten Entwickelten KIs würden dann als E-Personen eingestuft werden, so weit ein Vorschlag des EU-Parlaments. Dann wären diese E-Personen auch verantwortlich für etwaige Schäden, im Kontext von Geschäftsreisen, für das falsch gebuchte Hotel.

Das Szenario einer KI, die so weit entwickelt ist, dass sie nur den eingetragenen Termin benötigt, um die ganze Reise zu planen und auch zu buchen, wird noch einige Zeit eine Vision bleiben. Wie lange? Das liegt eben nicht nur am Fortschritt der Technik, sondern an uns selbst. Sind wir bereit einer Maschine genügend Vertrauen entgegenzubringen, letztendlich sogar den Bezahlprozess an sie abzugeben? Und was passiert bei einem Fehler? Wer wird zur Rechenschaft gezogen? Neben den Vertrauens- und Rechtsfragen müssen, damit der Prozess einer vollständig automatisierten Reiseabwicklung Wirklichkeit wird, Massen an Daten gesammelt werden und für die entsprechenden Programme freigegeben werden – das ist wiederum eine Frage des Datenschutzes. Doch auf dem Weg dahin kann die KI eine Chance sein, indem sie den Prozess nicht völlig übernimmt, sondern den Travel Agent unterstützt und ihm hilft noch genauer auf seinen Kunden einzugehen – bessere Systeme, die zwischen Chicago und Seattle keinen Zwischenstopp einplanen und nicht automatisch buchen, aber doch optimierte Vorschläge unterbreiten.

Wenn das Vertrauen da ist und die Maschine dem Menschen Entscheidungen abnimmt, stellt sich die Frage: Was passiert, wenn die Maschine doch mal einen Fehler macht? Wie bestraft man eine Künstliche Intelligenz?

Zukunftsvision und Chance – eine KI macht vieles möglich, birgt aber auch Herausforderungen. Geschäftsreisen sind dafür ein interessantes Feld.
Der Begriff Künstliche Intelligenz ist in aller Munde: Blogs, Fernsehen, Radio, Zeitungen und Magazine stürzen sich auf das Thema. Wie weit der Einfluss der Maschinen geht, liegt auch am Vertrauen der Menschen in die Technologie.