Ausgabe 04/2017

Madrid

Chaotisch, laut und liebenswert

Wer es bunt und lebendig mag, sich aber auch für Kultur und Geschichte begeistern kann, ist in Madrid genau richtig. Spaniens Hauptstadt ist alles, nur nicht langweilig. Neben zahlreichen architektonischen Prachtbauten, gibt es auch viele Parks, die zum Verweilen einladen sowie kulturelle Highlights, die es sich zu besuchen lohnt.

Auf Entdeckungstour

Ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung der Innenstadt ist der Puerta del Sol. Auf dem belebten Platz tummeln sich vor allem Touristen. Obligatorisch bei jeder Madrid-Reise sind Fotos mit dem Kilometer null, von dem aus die sechs Hauptstraßen Spaniens sternförmig über das spanische Festland verlaufen, sowie mit dem Wahrzeichen der Stadt – der Bär unter einem Erdbeerbaum.

Nur wenige Meter entfernt liegt der Plaza Mayor. Der rechteckige Platz ist komplett von einem viergeschossigen Wohngebäude umgeben und lässt sich durch neun Zugänge betreten. Rundherum verlaufen Bogengänge, unter denen sich zahlreiche Lokale befinden. Außergewöhnlich sind hier vor allem die Geschäfte, die alles für Briefmarken- und Münzensammler anbieten. Das Zentrum des Platzes bildet ein Reiterdenkmal von König Philipp III., dem Madrid seinen Stadtplatz verdankt.

Über die Calle Mayor gelangt man zur Almudena-Kathedrale. Der römisch-katholische Dom wurde nach langer Bauzeit 1993 fertiggestellt und noch im selben Jahr von Papst Johannes Paul II. geweiht. Mit der Hochzeit von Felipe von Spanien und Letizia Ortiz Rocasolano 2004, fand in der modernen Kathedrale die erste königliche Hochzeit statt. Tipp: Von der Kuppel haben Sie einen fantastischen Blick über Madrid. 

Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung zum Palacio Real. Die königliche Residenz begeistert mit ihrer imposanten Bauweise, einer Vierflügelanlage aus Granit und Kalkstein sowie ihrer beeindruckenden Größe. Besucher können den Palast aber nicht nur von außen bestaunen, sondern auch das prunkvolle Innere bewundern – 50 der etwa 2.000 Zimmer bieten einen Einblick in die königlichen Gemächer. Besichtigen Sie das Anwesen am besten ohne Führung, so können Sie ganz entspannt in jedes Detail eintauchen.

Über die Calle de Bailén und die Calle Ferraz geht es weiter zum Tempel von Debod, einem nubischen Tempel im Parque del Oeste. Nicht nur das ägyptische Bauwerk ist sehenswert, sondern auch der atemberaubende Blick über die Häuser Madrids und den Palast. Nach Sonnenuntergang bildet die Aussicht auf die Lichter der Stadt eine einzigartige Kulisse.

Zurück über die Calle Ferraz gelangt man über den Plaza de España mit dem Denkmal für den spanischen Nationaldichter Miguel de Cervantes auf die Grand Via. Hier läuft man vorbei an Prachtbauten des 20. Jahrhunderts wie dem Edificio Metrópolis, das aufgrund seiner goldenen Verschnörkelungen und der dunklen Kuppel mit der Victoria-Statue kaum zu verfehlen ist. Vorbei am Plaza Cánovas del Castillo geht es weiter zum Museo Nacional del Prado, eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Ausgestellt werden unter anderem Werke von Malern wie Rembrandt, Dürer oder auch Hieronymus Bosch.

Von hier aus ist es nur noch ein kurzer Weg zum 125 Hektar großen Retiro-Park, der sich ideal für eine Verschnaufpause anbietet. Nicht nur die verschiedenen Gärten des Parks, sondern auch der große See, über den man mit einem geliehenen Boot fahren kann und die unterschiedlichen Ausstellungsräume wie der Glaspalast (Palacio de Cristal) laden zum Verweilen ein.

Das kulinarische Madrid

Alles, was man mit der spanischen Küche verbindet, findet man in Madrid: Tapas und guter Wein inklusive. Vor allem aber muss man den Pata Negra Bellota Schinken probiert haben – sehr empfehlenswert. Für kleine Schleckermäuler bieten sich Churros an. Das frittierte Spritzgebäck wird in Schokolade getunkt verspeist. Um der spanischen Kulinarik noch näher zu kommen, lohnt es sich, den Mercado de San Miguel zu besuchen. Über 30 verschiedene Stände bieten hier exquisite Produkte und Zutaten an. Von Vinotheken bis hin zu Gemüseständen gibt es alles, was das Herz begehrt. Und das in einem ganz besonderen Ambiente: Die denkmalgeschützte Markthalle ist bereits über hundert Jahre alt und eines der wenigen Beispiele für Gusseisenarchitektur in Madrid. 

Ausgehen in Madrid

Madrid ist für sein rauschendes Nachtleben bekannt und vor allem an den Wochenenden scheint hier niemand zu schlafen. Besondere Partyhotspots sind die Plätze Plaza de Santa Ana im Stadtviertel Huertas und Plaza de Chueca in Chueca. Das Lesben- und Schwulenviertel in Madrid zieht die Nachtschwärmer nicht nur durch seine vielen Bars und Restaurants an, sondern auch durch seine lebensfrohe Atmosphäre. In Huertas reihen sich Clubs, Restaurants und Bars aneinander, die dazu einladen, die Nacht zum Tag zu machen. Tipp: In einigen Kneipen gibt es Tapas gratis zum Getränk dazu – sehr praktisch, denn mit leerem Magen feiert es sich schlecht! Ein typischer Partyabend in Madrid startet mit Barhopping und endet in einer Diskothek. Man trifft sich oft erst gegen 23 Uhr, denn einige Clubs öffnen nicht vor Mitternacht.

Sehenswert sind auch die verschiedenen Festivals und Umzüge, die über das Jahr verteilt in Madrid stattfinden. Darunter auch die Christopher Street Day-Parade, die jährlich durch Chueca führt und sowohl Spanier als auch Gäste aus aller Welt anzieht. Sie ist die größte Parade dieser Art in Europa und lässt sich wohl am besten als farbenfroh und etwas verrückt beschreiben. 2017 fand hier sogar die WorldPride, die größte Gay Pride der Welt statt. Bunt wird es wieder vom 27. Juni bis 1. Juli 2018, wenn die Gay Pride durch die Straßen zieht. Aber auch der Karneval in Madrid muss sich nicht verstecken: Vom 9. bis 14. Februar 2018 wird er in der Stadt gefeiert. Liebhaber des Flamencos können sich auf das „Suma Flamenca“-Festival freuen, das für Juni 2018 geplant ist.

 

GUT ZU WISSEN

Rivalen unter sich: Die Spanier sind sportbegeistert und besonders fußballaffin. In Madrid treffen zwei Lokalrivalen aufeinander: Atlético Madrid und Real Madrid. 

Taschendiebe: Passen Sie immer gut auf Ihre Wertsachen auf, in Madrid gibt es viele Langfinger!

El Rastro: Jeden Sonntag findet im Stadtteil La Latina der Flohmarkt El Rastro statt. Hier gibt es zwischen 9 Uhr und 15 Uhr von Schuhen über Gasmasken bis hin zu Pflanzen fast alles.

Fortbewegung: Der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut und bringt Sie schnell von A nach B. Ansonsten sind für kurze Strecken auch Taxis geeignet und relativ preisgünstig. 

Umland: Wer etwas mehr Zeit in Madrid verbringt, sollte auf jeden Fall auch das Umland erkunden. Es hat landschaftlich sowie kulturell einiges zu bieten. Ein Besuch des Valle de los Caídos, das Franco den Toten des Bürgerkriegs gewidmet hat, ist besonders empfehlenswert.

Die Almudena-Kathedrale befindet sich an der Südseite des Königspalastes und ist das wichtigste religiöse Gebäude in Madrid.
Im Zentrum des Plaza Mayor steht die aus Bronze gegossene Statue des Königs Philipp III.
Ursprünglich stand der Tempel von Debod am Ufer des Nils in Ägypten. Seit 1972 kann er in Madrid bestaunt werden.
Unweit des Plaza Mayor reiht sich in der urigen Calle Cava Baja eine Tapasbar an die nächste.
Bei der jährlichen CSD-Parade in Madrid geht es bunt zu – schrille Farben und ausgefallene Kostüme so weit das Auge reicht.